Camargue-Pferde-Zucht
ÉTOILE DE MER
*
Umgang und Haltung
von Bernhard F. Franke
"Ruhe ist die erste Bürgerpflicht"! Ein Sprichwort das auch für die Reiterei und den Umgang mit Pferden gilt.
Viele Camargue-Pferde werden auch heute noch
von den verantwortungsvollen Züchtern
in einer Herde aufgezogen. Damit werden die Fohlen und heranwachsenden
Pferde in ihrem sozialen Verhalten auf natürliche Weise geprägt. Sie
lernen, eine Rangordnung zu akzeptieren, die für das spätere Verhalten
bei der Ausbildung und beim Umgang mit dem Menschen von größter
Wichtigkeit ist.
Der Reiter oder Betreuer – sprich der Mensch – ist der Chef!
Man beachte allerdings strikt, daß diese Zurechtweisungen immer von untern nach oben erfolgen, damit das Pferd nicht „kopfscheu“ wird.
Danach sollte auch unbedingt wieder die Ruhe einkehren, um dem Pferd zu zeigen: „Siehst Du, es geht alles prima mit Ruhe!“ Auch ein Lob durch Streicheln am Hals, Kopf oder Bauch bewirken hier im weiteren Verhalten des Pferdes wahre Wunder. Zur Beruhigung des Pferdes allgemein ist ein kreisendes Streicheln des Pferdebauches zu empfehlen.
Die Schwierigkeiten im Umgang mit Pferden beruhen fast immer auf Missverständnissen zwischen Pferd und Mensch oder auf einen falschen Umgang des Menschen mit dem Pferd. Hier muß zunächst der Mensch geschult und ausgebildet werden und erst in der Folge das Pferd.
Deshalb nochmals der dringende Rat: „Ruhe ist die erste Reiterpflicht!“ Und, profitieren Sie von den Erfahrungen anderer und übernehmen Sie die Tricks und Kniffe und versuchen Sie nicht, eigene noch nicht erprobte Wege zu gehen.
Nehmen Sie auch Abstand von Einstellungen, die Pferde „vermenschlichen“ und in Pferde etwas projezieren, was Pferde bestimmt nicht sind, nämlich logisch denkende Wesen mit den Zügen menschlichen Charakters!
Einige hilfreiche Tricks und Kniffs
Führen Sie Ihr Pferd immer am losen Führstrick, d.h., versuchen Sie Ihr Pferd immer ohne "Zwang" zu behandeln. Druck und Gewalt erzeugt Gegendruck und Flucht! Reden Sie mit Ihrem Pferd in einem beruhigendenTonfall, aber erwarten Sie nicht, daß Ihr Pferd Ihre einzelnen Worte versteht! Erst nach langer Zeit kann es sein, daß Ihr Pferd bestimmeten Worten folgt, wobei der Tonfall das ausschlaggebende Signal ist.
Es ist für mich immer wieder überraschend, wenn "erfahrene" Reiter einen falschen Umgang mit Ihrem Pferd praktizieren und viele einfache Regeln missachten. Daher hier im nachfolgenden einige Beispiele und Hinweise, die für viele erfahrene Reiterinnen und Reiter vielleicht sebstverständlich sind, aber leider in der Praxis von vielen Reiterinnen und Reitern nicht beachtet werden:
1. Führen Sie Ihr Pferd immer mit einem original Camargue-Führstrick. Dieser ist mindestens 3 Meter lang und besteht aus einem 12 mm dicken Seil in der typischen schwarz-weißen Musterung. Dieses Seil (maritim: Leine) hat seinen Ursprung im maritimen Bereich des Mittelmeeres und die früher auch sehr bescheiden lebendenden Gardians haben diese maritimen Leinen als Führstrick verwendet.. Es liegt gut in der Hand und Sie können dem Pferd auch im Bedarfsfalle wegen der Länge von 3 Metern den nötigen Raum und Abstand geben. So kann z. B. beim Führen von zwei oder mehr Pferden oder bei einem Steigen des Pferdes aus vielfältigen Gründen diese Art des Führstrickes von großer Bedeutung sein. Erteilen Sie allen "Billigangeboten" eine Absage, denn diese Führ- und Anbindestricke sind in der Regel zu kurz und liegen nicht griffig in der Hand. Meistens handelt es sich hierbei um weiche und dehnbare Materialien, die nicht für den vorgesehenen Zweck geeignet sind.
2. Führen Sie Ihr Pferd immer von links, damit Insbesondere junge Pferde sich an ein Herantreten von links - wie ebenfalls beim Aufsitzen - frühzeitg und dauerhaft gewöhnen. Auch wenn Sie zwei oder mehr Pferde führen, sollen diese immer auf einer Seite - also auf Ihrer rechten Seite geführt werden. Damit verhindern Sie, daß zwei oder mehr Pferde Sie quasi "auseindderreißen" oder in ihrer Mitte "einklemmen", womit zum einen Gefahren verbunden sind und Sie zum anderen die Kontrolle wegen der auftretenden gegensätzlichen Kräfte nur bedingt ausüben können.
3. Binden Sie Ihr Pferd stehts nur mit einem sogannten Panikknoten an und sichern Sie diesen mit mindestens zwei besser sogar drei Schlaufen. Damit gewährleisten Sie, daß Ihr Pferd einerseits sicher angebunden ist, Sie andererseits jedoch jederzeit bei Gefahr Ihr Pferd blitzschnell mit einem Zug am Ende des Anbindestrickes wieder freimachen können. Auch die Panikhaaken an den Billigprodukten sind nicht optimal, denn oftmals "klemmen" sie beim Auslösen und sie befinden dicht am Halfter, so daß Sie im Falle einer Panik zu dicht an Ihr Pferd herantreten müssen.
4. Beim Verladen Ihres Pferdes benötigen Sie insbesondere bei jungen unerfahrenen Pferden vor allen Dingen Zeit und Geduld.
Führen Sie Ihr Pferd zunächst einmal an die geöffnete Brack (Klappe) Ihres Pferdehängers. Sinnvoll und zweckmäßig ist es, wenn Sie rechts und links der Brack - sofern vorhanden - jeweils einen kleinen Stroh- oder Heupallen postieren, damit die Höhe des Hängerbodens optisch und aus Gründen der Sicherheit beim seitlichen Ausbrechen Ihres Pferdes auch praktisch verringert wird, d.h., Ihr Pferd tritt im Falle eines Falles nicht neben die geöffnete Brack auf den tieferliegenden Boden.
Versuchen Sie Ihr Pferd stehts nur mit einem Futtereimer (Karotten, Äpfel oder Müsli) in mit "gutem Zureden" in den Hänger zu locken. Vermeiden Sie Zwang oder Gewalt und vermeiden Sie, daß Ihr Pferd von "hinten" in den Hänger gedrängt wird. Pferde sind bekanntlich Fluchttiere und erkennen sehr schnell, daß der Hänger für sie eine ausweglose Falle darstellt. Es folgt dann eine Verweigerungshaltung Ihres Pferdes und es richtet sich dann spontan rückwärts. Hilfspersonen sollten daher keinesfalls "hinter" dem Pferd stehen! Es kann zwar in dem einen oder anderen Falle einmal erfolgreich sein, das Pferd mit einem "Touchieren" oder einem "In-die-Hände-klatschen" von hinten zu bewegen, spontan in den Hänger zu laufen. In der Regel funktioniert dieser Überraschungseffekt jedoch nur einmal, so daß eine nachhaltige und sanfte Verladetechnik sicher sinnvoller ist. Auch besteht bei der Verladetechnik unter Zwang immer die erhöhte Gefahr eines Unfalles. Schließlich wollen wir erreichen, daß unser Pferd nach entsprechendem Training später einmal "freiwillg" und ohne Zwang in den Hänger geht.
Weiterhin ist es von größter Wichtigkeit, das Anbinden des Pferdes im Hänger immer erst dann vorzunehmen, wenn die hintere Stange bzw. die Brack geschlossen ist. Binden Sie niemals Ihr Pferd an, bevor die hintere Stange geschlossen ist!
Wenn Ihr Pferd dann also im Hänger steht, sollten Sie es so anbinden, daß ein "Steigen" verhindert wird. Wickeln Sie den Anbindestrick mindestens zweimal um die vordere Anbindestange, so daß Ihr Pferd zwar noch aufrecht stehen kann, jedoch ein Steigen und Überspringen der vorderen Stange unmöglich ist. Benutzen Sie dabei den Panikknoten mit mindestens drei Schlaufen, damit die Anbindung sicher ist.
Belohnen Sie Ihr Pferd auch durch weiteres Futter im Hänger. Auch bei Pausen und vor dem Entladen sollten Sie dem Pferd zeigen, daß es ihm im Hänger gut geht.
Während einer längeren Fahrt sollten Sie mindestens alle zwei Stunden eine Pause von mindestens 20 Minuten einlegen, damit Ihr Pferd seine Muskeln entspannen kann, welche während der Fahrt ständig angespannt sind, um die Bewegungen des Hängers während der Fahrt ausgeglichen und das Gleichgewicht zu halten.
Haben Sie das Ziel erreicht, lassen Sie Ihr Pferd noch einige Zeit auf dem Hänger stehen, damit es sich auch an Standzeiten gewöhnt. Beim Entladen gehen Sie in umgekehrter Reihenfolge vor! Zuerst das Pferd vorne abbinden, dann die hintere Stange öffnen! Achtung: Den Anbindestrick nicht um die Stange schlingen, sondern umbedingt frei halten oder um den Pferdehals legen, wenn Sie Ihr Pferd alleine ohne Hilfe entladen möchten. Wenn Sie Hilfe haben, dann halten Sie den Anbindestrick beim Rückwärtrichten auf dem Hänger so, daß das Pferd seinen Kopf nicht nach hinten wenden kann. Bei sehr jungen Pferden besteht sehr häufig der Drang, den Kopf beim Rückwärtsrichten nach hinten zu wenden, da diese das Rückwärtsrichten noch nicht beherschen.
Beim Entladen ist weiter zu beachten, daß möglichst eine zweite Person an der hinteren Seite des Pferdehängers das seitliche Ausbrechen beim Rückwärtsrichten des Pferdes verhindert. Dies durch leichtes Handauflegen an der gefährdeten Seite. Lassen Sie dabei Ihr Pferd sich langsam und Schritt für Schritt nach hinten richten, wobei der Kopf des Pferdes immer mit dem Führstrick noch vorne gehalten werden muß. Achten Sie dabei darauf, daß der Führstrick lose ist und keinesfalls noch um die vordere Stange gewickelt ist!
Viele vermeidbare Unfälle könnten verhindert werden, wenn diese einfachen Regeln in der Praxis immer beachtet würden.
5. Benutzen Sie beim Umgang mit Ihrem Pferd möglichst k e i n e Gerte oder Peitsche. Schließlich soll Ihr Pferd Ihnen ohne Zwang vertrauen! Außerdem benötigen Sie beim Reiten alle Ihre Hände. Entweder Sie Reiten ein ausgebildetes Pferd einhändig, dann benötigen Sie die "zweite" Hand als Arbeitshand, z.B. zum Halten eines Trident. Oder Ihr Pferd ist noch in Ausbildung, dann benötigen Sie beide Hände zum korrekten Halten der "vier" Zügel. Also verzichten Sie auf eine Gerte bis auf Ausnahmefälle, wie z.B. bei Vorstellungen an der Hand. Dann bedeutet eine Gerte aber nur "Zeigestaab" und keinesfalls "Prügelstaab"! Auch beim Longieren können Sie auch auf eine Longiergerte verzichten, denn es genügt ein Anheben der Hand, um die gleiche Wirkung des "Zeigens" zu erzielen.
6. Benutzen Sie dagegen immer Ihre Stimme als weitere Hilfe! Ihr Pferd hat auch einen ausgeprägten Gehörsinn. Beim Umgang mit Ihrem Pferd sollten Sie dieses Hilfsmittel daher immer einsetzen! Sei es, daß Ihr Pferd durchparieren soll, begleiten Sie die Hilfen durch den wirkungsvollen "kurzen und deutlichen" Zischlaut! Soll Ihr Pferd langsamer gehen, begleiten Sie Ihre Hilfe mit einem "tiefen und beruhigenden" Oohla"! Soll Ihr Pferd in einen Trab fallen, benutzen Sie den bekannten "Schnalzston"! Probieren Sie es aus, es funktioniert auch bei Pferden, die noch niemals damit gearbeitet wurden! Camargue-Pferde sollten grundsätzlich mit "französischen" Kommandos gearbeitet werden. Zum einen liegt der "Klang" dieser Kommandos den Pferden wohl im Blut, zum anderen wird auch damit die Tradition gepflegt.
Die artgerechte Haltung
Die üppige Vegetation in Deutschland und in anderen Gebieten außerhalb der Camargue macht es erforderlich, hier eine selektive Beweidung durchzuführen. Ideal sind Brachflächen mit Bachlauf, Quellen- oder Sumpfgebietden. Um den ursprünglichen Typ des Camargue-Pferdes mit seiner Zähigkeit und Genügsamkeit auch weiterhin zu erhalten, ist es notwendig, das Futterangebot den kargen Bedingungen des Ursprungsgebietes möglichst anzupassen.
Dies
bedeutet, durch selektive Beweidung einzelner Flächen, ein
Überflußangebot an eiweißhaltigem Futter zu vermeiden. Es empfiehlt
sich insbesondere im Winter, gutes Stroh als Teil der Zufütterung
einzusetzen. Auch ist eine Beweidung der Brach- oder Weideflächen, die
selbstverständlich auf keinen Fall gedüngt werden sollten, so
auszugestalten, daß ein Abweiden von Teilflächen erfolgt
und nicht die gesamte Fläche mit zu stark eiweißhaltigem Nachwuchs
zur Verfügung gehalten wird. Ein Überangebot von Futter führt
zwangsläufig zu einem Verlust an Ursprünglichkeit und Genügsamkeit des
Camargue-Pferdes, insbesondere wenn dies über mehrere Generationen im
Zuchtbereich der Fall ist.
Die Weideflächen sollten
daher stets gewechselt werden, damit sich der Nachwuchs auf nicht beweideten Flächen wieder entfalten kann. Flächen mit älterem Bestand sind zu bevorzugen und die Flächen sollten jährlich maximal zwei mal beweidet werden. Eine Dauerweide, d.h., eine Weide die nicht gewechselt wird und bei der die Pferde quasi immer wieder den frischen Nachwuchs abfressen, ist abzulehnen. Diese Pferdehaltung birgt nicht nur große Gefahren im Bereich der Parasitenverbreitung, sondern führt auch dazu, daß den Pferden das so wichtige Rauhfutter fehlt. Die Folgen sind Übergewicht, Leistungsabfall und Hufrehe.
Die
genügsamen Camargue-Pferde kommen mit Brachflächen bestens zurecht und verhindern
bei einer kurzzeitigen Überweidung, daß die Flächen verbuschen.
Sogar Schwarzdorn und Himbeer- oder Brombeerhecken werden in gewissem Maße zurückgedrängt. Auch ist eine Auflockerung des Bodens zu beobachten, gleichsam ein natürlicher Mulchvorgang, der nach Beweidung die Flächen als ursprüngliches Weideland mit seiner Vielfalt an Gräsern und Kräutern wiedererstehen läßt.
Aufzucht und Umgang mit jungen Camargue-Pferden
Die Aufzucht von Camargue-Pferden ist ausschlaggebend und prägend für das spätere Reitpferd. Obwohl Camargue-Pferde ihren Ursprung unmittelbar auf die vor ca. 40.000 Jahren in Südeuropa lebenden Pferde, welche auch als "Solutré-Pferd" bezeichnet werden, zurückführen und die Camargue-Pferde noch bis zum Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts als Wildpferde in den Sümpfen der Camargue lebten, sind diese Pferde als außerordentlich umgänglicher Partner des Menschen bekannt. Allerdings ist dabei aber auch heute von ausschlaggebender Bedeutung, daß bei dieser Pferderasse die Aufzuch naturnah erfolgt.
So ist die Aufzucht dieser Pferde bis zum Alter von 2 bis 3 Jahren nur im Herdenverbund und ganzjährigem Weidegang artgerecht. Die jungen Pferde lernen dabei von den jeweils älteren Artgenossen innerhalb der Herde, so dass ihr soziales Verhalten ausgeprägt wird.
Das Absetzen der Fohlen
Camargue-Pferde sollten im Idealfalle frühestens nach 9-10 Monaten abgesetzt werden. Camargue-Stuten tragen elfeinhalb Monate, also einen halben Monat länger als andere Pferderaassen. Wenn auch im Ursprungsgebiet bei den größeren und kleineren Züchtern in der Regel ein Absetzen der im zeitigen Frühjahr geborenen Fohlen traditionell bereits im November des Jahres erfolgt, was auch damit zusammenhängt, daß dort die Zuchtstuten häufig bereits in der Fahlenrosse, also unmittelbar nach der Geburt der Fohlen im Frühjahr, neu gedeckt werden und damit bereits im Folgejahr wieder abfohlen, so ist es artgerechter und naturnah, das Absetzen erst nach 11 Monaten vorzunehmen, wie wir es seit Jahren pflegen. In unserer Zucht werden die Zuchtstuten dann erst im Folgejahr, also nach absetzen der Fohlen neu gedeckt, so daß die nächsten Fohlen dann im darauf folgenden Jahr geboren werden. Das Absetzen der Fohlen erfolgt im übrigen in der Weise, daß die Fohlen in ihrer gewohnten Herde verbleiben und die Stuten herausgenommen werden. Damit ist das Absetzen für die Fohlen weigehendst stressfrei.
Unsere Jungpferde verbleiben dann bis zu ihrem 3. Lebensjahr in der Herde zusammen mit ihren älteren oder auch jüngeren Artgenossen, so daß sich das soziale Verhalten unserer Pferde unabhängig von ihrer genetischen Anlage stark ausprägen kann.
Unsere Nachzucht steht daher als Absetzer frühestens nach 11 Monaten zum Verkauf!
Ein aufschlussreicher Beitrag über die Problematik des Fohlenabsetzens erschien in der Zeitschrift "Rheinlands Reiter und Pferde, Heft Oktober 2011", den wir nachstehend auszugsweise wie folgt zitieren:
(Wird noch bearbeitet!)
Die Sache mit der Fütterung
Das
Thema Fütterung wird ebenso ausgiebig wie häufig unter
Pferdehaltern diskutiert. Auch will die Futtermittelindustrie uns Glauben machen, nur ihr Produkt gewährleiste die Gesundheit unserer Lieblinge. Leider ist jedoch vielfach das Gegenteil der Fall. Pferdehalter und insbesondere Halter von Camargue-Pferden sollten die Fütterungsangebote der Futtermittelindustrie absolut kritisch betrachten.
Die Haltung von Pferden sollte allgemein und idealer
Weise so erfolgen, daß sie den natürlichen Bedingungen möglichst nahe
kommt. Insbesondere Camargue-Pferde gelten als leichtfuttrig, also als hervorragende Futterverwerter. Pferde sind grundsätzlich keine Getreidefresser, sondern Grasfresser!
Sicher kann man heute nicht mehr davon ausgehen, Pferde so zu
halten, wie sie ursprünglich als Wildpferde vor Tausenden von Jahren gelebt haben.
Dennoch sollte man sich auf die ursprünglichen Lebensbedingungen zurück
besinnen und die heutigen Lebensbedingungen der Pferde möglichst den
ursprünglichen Bedingungen anzupassen.
Das bedeutet insbesondere für
Camargue-Pferde folgende Empfehlung:
1. Haltung auf extensiv genutzten Flächen mit natürlichen oder auch errichteten Unterständen (max. 3-seitig geschlossen)
2. Haltung in Gruppen von mindestens 2 Pferden, am besten jedoch Herden ab 5 Pferden verschiedener Jahrgänge.
3. Flächen mit natürlichen Tränkmöglichkeiten, wie Bäche oder Quellen.
4.
Bei Weideflächen sollten Wald- und Unterholzflächen möglichst
einbezogen werden oder durch Zugabe von Zweigen, Laub und Unterholz
natürliche Bedingungen für die Pferde geschaffen werden.
5. Verzicht auf jegliche Düngung der Flächen, damit ein kräuterreiches Grünland erhalten wird.
6.
Häufiger Wechsel der beweideten Flächen. Wenn auf eine Düngung aus
Ertragsgründen nicht verzichtet werden kann, dann sollte die Weide erst
nach längerem zeitlichen Abstand beweidet werden. Es sollte unbedingt
darauf geachtet werden, daß die Weide erst zu einem späten Zeitpunkt
beweidet wird, wenn der Bewuchs vollständig ausgewachsen ist.
Entsprechendes gilt auch bei Kalkung von sauren Böden.
7. Winterfütterung nur mit Heu und Stroh zusätzlich zu Weideflächen.
8.
Wenn Kraftfutter zusätzlich in Verbindung mit Mineralzusätzen zum
Einsatz kommen soll, Kraftfutter wie Hafer oder sonstiges Getreide nur
als Korn und nicht in gequetschter Form und nur äußerst gering dosiert verfüttern.
Maximal 100 Gramm pro Pferd/Tag! Keine Pellets als Heuersatz verfüttern!
9. Bei Mineralfutter-/Zusätzen die Dosierungsempfehlung genau beachten! Lieber etwas weniger verfüttern!
10. Salzangebot jedoch stets durch Mineral- oder Salzlecksteine sicherstellen
11.
Absolut nachteilig und gefährlich ist die Unsitte, getrocknetes Brot zu
verfüttern. Nicht nur, daß dies den Pferden keinerlei Vitamine oder
Spurenelemente zuführt, das Füttern von Brot ist außerordentlich
gefährlich, denn es enthält viel zu viel Eiweiß. Auf die Problematik zu
hoher Eiweißgaben braucht an dieser Stelle sicher nicht näher
eingegangen zu werden.
Die zusätzliche Fütterung von Camargue-Pferden,
insbesondere aber die zusätzliche Fütterung im Rahmen einer extensiven Zucht von Camargue-Pferden sollte
sich immer an den natürlichen Bedingungen orientieren.
Diese sind wohl
ziemlich eindeutig: Weidegang auf nicht gedüngten Weiden, Brachflächen
und soweit vorhanden selbstverständlich auch Feuchtwiesen. Im Winter
Zufütterung von Heu und Stroh. Heusilage, die in neuerer Zeit häufig
empfohlen wird, ist ebenfalls problematisch, denn
sie enthält ebenfalls zuviel Eiweiß und zu wenig Rauhfutter. Sie führt darüber hinaus auch zu einer Übersäuerung des Stoffwechsels und sollte
daher nur wohldosiert verfüttert werden, bei zusätzlichen Gaben von
Stroh. Dies ist bei Herdenhaltung nicht immer möglich und erfordert im
übrigen eine täglich mehrfache Fütterung.
Meine Empfehlung lautet
daher: Heu "satt" und zusätzlich gutes Stroh verfüttern – und sonst
nichts!
Kraftfutter in Form von Pellets ist ebenfalls
abzulehnen, da hier unnötigerweise eine Bearbeitung der natürlichen
Grundsubstanzen mit vielen nachteiligen Auswirkungen gegeben ist. So treten bei Camargue-Pferden auch im hohen Alter nur äußerst selten Zahnprobleme auf, wenn sie ausschließlich durch Weidegang und mit Heu gefüttert werden. Sowohl ein Füttern mit Silage oder mit industriell gefertigtem Fertigfutter ist für die Gesundheit der Pferde absolut nachteilig. Ebenso ist eine Grundfütterung mit Kraftfutter abzulehnen, da Pferde damit nicht mehr ein Sättigungsgefühl erreichen. Nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen steuern Pferde ihr Sättigungsgefühl nicht durch die Menge des aufgenommenen und im Verdauungstrakt existierenden Futters, sondern ausschließlich über die Zahl ihrer Kaubewegungen. Es ist also erforderlich, daß Pferde s t e t s Rauhfutter, also Heu oder Stroh zur Verfügung haben, damit sie ihren Sättigungsgrad und damit ein Zufriedenheitsgefühl erreichen. Wird dieses nicht erreicht, zeigen uns dies die Pferde durch Koppen oder Weben. Geht man davon aus, daß ein Kilo Kraftfutter in wenigen Minuten aufgefressen ist, die gleichwertige Menge an Heu jedoch ein Pferd mindestens 2-3 Stunden mit den entsprechende Kaubewegungen beschäftigt, wird klar, daß ein Pferd, dessen Energiebedarf überwiegend mit Kraftfutter gedeckt wird, keinesfalls zufrieden ist.
Auch die Unsitte, Heu in einer hochhängenden Heuraufe anzubieten, führt auf Grund der Anatomie des Pferdes zu gesundheitlichen Problemen, in dem die Pferde ihre Schluckbewegungen zur Leerung der Luftsäcke und damit zum Abfluß der Sekrete nicht mehr artgerecht ausführen können. Als Steppentier ist das Pferd schließlich schon jahrtausende gewohnt, seine Nahrung vom Boden aufzunehmen. Auch Wassertränken sollten daher in Bodennähe angebracht werden.
Pferde
und insbesondere die sehr ursprünglich gebliebenen Camargue-Pferde
wissen selbst am besten, was sie zur Deckung ihres Ernährungsbedarfes
fressen müssen. Es gilt also, ein reichhaltiges und vielfältiges
Angebot den Pferden zugänglich zu machen, wie es in der freien Natur
und im ursprünglichen Lebensraum der Pferde vorgefunden wird. Diese
artgerechte Ernährung der Pferde erreicht man durch die erwähnte
Einbeziehung von Wald- bzw. Unterholzflächen in die Pferdeweide oder
auch, wenn es nicht anders möglich ist, durch Zugabe entsprechender
Zweige und Äste aus der Umgebung. Allerdings dürfen sich hierbei
darunter selbstverständlich keine giftigen Pflanzen und Bäume befinden,
wie sie allgemein bekannt sind und schon gar nicht Gartenabfälle oder
mit dem Rasenmäher abgemähtes Gras oder ähnliche, nicht den natürlichen Gegebenheiten entsprechendes Futter!
Bei einer mit vielen
Sträuchern und Kräutern bewachsenen Weidefläche suchen sich die Pferde
selbst alles das heraus, was für gut für sie ist, d.h., sie decken auch
Mangelerscheinungen durch Aufnahme der entsprechenden Pflanzenteile,
aus dem Laub- und Reisigfutter. So ist auch die Aufnahme z. B. von
Kalium und anderer wichtiger Stoffe durch natürliche Bestandteile des
Futters dem jeweiligen Bedarf angepaßt.
Eine Zugabe von chemisch behandelten Stoffen ist daher nicht sinnvoll und mit dem Risiko
verbunden, daß die Dosierung nicht dem Bedarf entspricht. Alle Pferde,
die bei einer standardisierten Futtermenge und allgemein angereicherten
Inhaltsstoffen gehalten werden, haben keine Möglichkeit, ihren Bedarf
individuell zu decken. Eine Überversorgung kann oft schädlicher sein,
als eine Mangelerscheinung, die bei individueller Futteraufnahme jedoch
selten ist.
Also auch hier nochmals eine endeutige Empfehlung:
Zurück
zur Natur und zu einer Fütterung, die dem ursprünglichen Futterangebot
der Pferde weitgehendst entspricht. Im übrigen kommt bei einer
Fütterung, die dem natürlichen Nahrungsangebot entspricht, es nicht zu
Übergewicht der Pferde mit den sehr nachteiligen Folgen. Pferde sind keine Getreidefresser. Ihr Stoffwechsel ist auf faserreiches Gras/Heu (Rauhfutter) abgestellt. Sie benötigen zu jeder Tageszeit - also auch, wenn sie nach dem Weidegang in ein Paddock gestellt werden - stets ein Angebot an Rauhfutter! Der Pferdemagen und der Verdauungstrakt von Pferden ist so ausgelegt, daß sie eine permanente Futteraufnahme benötigen! Lange Phasen ohne Futter führen nicht nur zu akuten Verdauungsproblemen sondern sie verringern auch die Leistungsfähigkeit der Pferde erheblich. Die "Unsitte", Pferde nach dem Weidegang und über Nacht in einem Paddock oder in einem Stall oder einer Pferdebox zu halten,ohne ein angemessenes Futterangebot zur Verfügung zu stellen, erfüllt den Straftatbestand nach dem Tierschutzgesetz!
Insbesondere
ist aus züchterischer Sicht zu vermeiden, daß die Pferde ein
Nahrungsangebot erhalten, welches nicht den ursprünglichen Bedingungen
entspricht, d.h., als Züchter der Rasse „Camargue-Pferd“ möchte ich ein
zähes, genügsames und keinesfalls übergewichtiges Pferd, das in einer
Umgebung aufwächst, die dem Ursprungsgebiet möglichst nahe kommt. Eine
Überversorgung führt im Verlaufe der Entwicklung zu einer genetischen
Veränderung, die nicht Ziel einer Zucht sein kann, welche die
besonderen Eigenschaften und die Ursprünglichkeit der Rasse "Camargue" erhalten will.
Aber auch ür die Leistungsfähigkeit und für das Wohlbefinden des Pferdes ist eine Fütterung von Kraftfutter keinesfalls zuträglich. Das Gegenteil ist der Fall. Wie in Heft 5/2010 der Zeitschrift "Rheinlands Reiter+Pferde" - Verbandsorgan des Rheinischen Pferdxestammbuches - auf den Seiten 76-77 zum Thema Pferdefütterung wie folgt nachzulesen ist:
"....Neben der Stärke im Mehlkorn enthält Getreide im Keimanteil auch Eiweiß. Große Kraftfuttermengen können also durchaus zu einem Eiweißüberschuss führen, der sich in Schreckhaftigkeit und Nervosität äußert".... Leistungseinbrüche ....Zu wenig gutes Heu auf dem Speiseplan kann auch der Grund dafür sein, wenn ein Pferd - trotz ausreichender Vorbereitung auf die Anforderungen - mitten im Training oder einer Prüfung plötzlich stark nachlässt. Je nach Typ reagiert das Pferd entweder, in dem es schlapp, unkonzentriert und triebig wird oder in dem es versucht, sich der überfoderten Leistung durch Davonlaufen oder Bocken zu entziehen. "Vor allen bei Ausdauerleistungen wie beim Distanzreiten gewinnt das Pferd den Großteil der benötigten Energie aus den flüchtigen Fettsäueren aus der Rohfaserverdauung im Dickdarm. Sind diese Reserven aufgrund geringer Heufütterung mitten im Ritt verbraucht, steht dem Pferd keine Energie mehr zur Verfügung"."
Gerade bei Camargue-Pferden, die bekanntermaßen als sehr "leichtfuttrig" anzusehen sind, muß also die Versorgung mit gutem Heu oder ausreichendem Weidegang auf ungedüngten Wiesen besonderer Vorrang eingeräumt werden. Das Füttern mit Kraftfutter führt nachgewiesener Maßen nicht zu einer Leistungssteigerung und zu einem gesteigerten Wohlbefinden! Anzeichen
einer Überversorgung sind eine "Bockstellung" und Hinweise auf
Kreuzverschlag.
Einfluß der Fütterung auf Neigung zur Ekzembildung
Das Camargue-Pferd neigt nur in seltenen Ausnahmefällen zur Ekzembildung. Dies aufgrund der Genetik, die sich bei den Camargue-Pferde im Ursprungsgebiet entwickelte.
Wie neuere wissenschaftliche Erkenntnisse dokumentieren, hat jedoch auch die Fütterung nicht unerheblichen Einfluß auf die Neigung zur Ekzembildung und zwar auch dann, wenn eine genetische Voraussetzung eigentlich nicht gegeben ist. Hierzu führt Frau Dr. SusanneWeyrauch-Wiegand in ihrem Beitrag "Heimlicher Heiler" - Das verkannte Spurenelement Mangan - Heft 4/2010 Rheinlands Reiter+Pferde, die Monatszeitschrift des Rheinischen Pferdestammbuches, nachzulesen unter
u. a. aus:
"Viele Ekzemer leiden unter unter einer zu eiweißreichen Fütterung. Im Eiweißstoffwechsel spielt das Enzym Arginase eine wichtige Rolle bei der Entgiftung des Körpers. .....Mangan spielt eine wichtige Rolle im Stressgeschehen.....Eine hohe Getreidezufuhr.... übersäuert den Körper. Mangan wird bei der körpereigenen Entsäuerung verbraucht....Eine nutürliche Manganzufuhr wird im besten Falle durch manganreiches Heu gedeckt. Besonders kräuterreiche Gräser (Grasflächen) zeichnen sich durch einen hohen Mangangehalt aus"...Zu hohe Silagefütterung kostetet u.a. Manganreservern und kann den Manganhaushalt langfristig ins Defizit bringen..."!
Aus dieser wissenschaftlichen Erkentnis heraus können wir daher erneut feststellen:
(Winter-) Zusatzfütterung nur Heu als Grundbestandteil, nur geringste Zufütterung von Getreide/oder sonstiges Kraftfutter (Müsli & Co.) sowie möglichst keine Silage verfüttern!
Einfluß der Fütterung auf Melanombildung
Melanome
bei Schimmeln kommen häufig vor. Es handelt sich um im allgemeinen
gutartige Geschwüre, die im Zusammenhang mit der Pigmentierung bei
Schimmeln stehen. Es bilden sich unter der Haut und auch teilweise in
den Organen des Tieres Wucherungen in der Form von Knoten bzw. Beulen,
die oft eine beachtliche Größe erreichen können.
Auch
Camargue-Pferde werden hiervon nicht immer verschont. Die Fütterung hat
jedoch nach meiner Auffassung. durchaus erheblichen Einfluß auf die
Bildung dieser so unschönen aber auch das Wohlbefinden des Pferdes
beeinträchtigten Knoten und Verdickungen, die verstärkt an der
Schweifrübe und im Bereich des Darmausganges auftreten.
Interessanter Weise treten diese Melanome nicht auf oder aber erst im
fortgeschrittenen Alter vereinzelt, bei Pferden die im Einklang mit der
Natur gehalten werden und denen nur ein begrenztes Futterangebot
jahreszeitlich bedingt zur Verfügung steht. D. h.:, Pferde ohne
Kraftfutterzufütterung leiden wesentlich weniger unter den Melanomen
als solche, die mit Kraftfutter oder Heusilage eine Überversorgung
insbesondere von Eiweiß erhalten.
Es zeigt sich in diesem Zusammenhang wieder einmal deutlich, daß Mutter „Natur“ die Dinge fast immer am besten regelt.
Wer
nicht in der Lage ist, seine Pferde naturnah und extensiv zu halten,
sollte jedenfalls streng darauf achten, daß die Fütterung nicht mit
Kraftfutter und/oder Pellets erfolgt. Gutes Heu und gutes Stroh sind
dann das Beste, was man Camargue-Pferden anbieten kann. Ab und an auch
etwas Kraftfutter in Form von Müsli oder Hafer. Hier sollte man jedoch
bedacht sein, wirklich nur kleinste Mengen zuzufüttern. Auch hier ist weniger
mehr! Dies gilt ebenso für Mineralzusätze. Zuviel führt in der Regel zu Durchfall und kann hier größere
Schäden verursachen als zu wenig!
Auf Fütterrung von Brot sollte
generell verzichtet werden, denn Brot führt den Pferden keine positiv verwertbaren Substanzen zu. Es schadet vielmehr der Pferdegesundheit durch die im Brot oft enthaltenen chemischen Substanzen und durch den hohen Eiweißgehalt!
Wenn Sie über die Evolutionsgeschichte der Pferde und ihre Nahrungsaufnahme noch näheres wissen möchten, können Sie dies in einem wissenschaftliche Beitrag von Dr. vet. Eberhard Reininger erfahren.
Klicken Sie hier unter
Die Haltung von Pferden wendet sich glücklicher Weise immer mehr von der reinen Boxenhaltung ab. Dies aus gutem Grund. Boxenhaltung ist "Einzelhaft" und führt sowohl zu physischen wie auch zu psychischen Problemen der Pferde in dieser Haltungsweise. Ein schönes Beispiel für artgerechte Haltung von Pferden bietet "Les dannes" ein Haltungsbetrieb, der hierfür von der Zeitschrift "CAVALLO" mit dem "Fairness Award 2010" für eine vorbildliche Haltungsweise ausgezeichnet wurde. Näheres erfahren Sie hier unter
Verbot von Brandzeichen bei Pferden
Ein weiteres Thema soll hier ebenfalls unter der Rubrik "Umgang und Haltung" behandelt werden. Es handelt sich um die in letzter Zeit viel diskutierte Frage, ob ein Verbot von Brandzeichen bei Pferden aus tierschutzrechtlichen Gründen angebracht ist. Hier zunächst einmal meine Antwort auf diese Frage:
" N E I N " !
Das Brennen der Pferde und Rinder zur Identifikation hat lange Tradition. Es ist keinesfalls besonders schmerzhaft für die Tiere, wie häufig von "Tierschützern" behauptet wird. Der Brennvorgang selbst dauert nur wenige Sekunden und Pferden verspüren mit ihrem eingeschränkten Schmerzempfinden den Brennvorgang allenfalls als unangenehm. Bedenkt man, daß ein Huftritt, wie er unter Pferden häufig vorkommt, meistens zu einem länger anhaltenden schmerzhaften Hämatom führt, so wird deutlich, daß der Brennvorgang ein vergleichsweise harmloses Schmerzempfinden auslöst. Beim traditionellen Fohlenbrand im Ursprungsgebiet werden die Fohlen im Liegen gebrannt, was zweifelsohne zu einer "Stress-Situation" der Pferde führt. Heute ist es jedoch auch in der Camargue teilweise üblich, die Fohlen im Stehen zu brennen, so daß hierbei kein Stress entsteht.
Wie die FN Reiterliche Vereinigung in einer Studie und Demonstration feststellte, haben bei einem üblichen Brennvorgang zwei von drei Fohlen noch nicht einmal "erschrocken" reagiert! Wenn also Fohlen, wie heute üblich, im Stehen einen Schenkelbrand erhalten, ist dieser Vorgang mit Sicherheit nicht als "tierquählerisch" einzustufen.
Wer einmal gesehen hat, wie Junghengste sich bei dem "Spiel" um die Rangordnung gegenseitig in die Flanken beißen und sich nicht unerhebliche Wunden an den Schenkeln zufügen, kann die "Gefühlsduselei" von selbsternannten "Tierschützern" beim besten Willen nicht nachvollziehen, wenn diese gegen den traditionellen Schenkelbrand zu Felde ziehen. Die sogenannten "Tierschützer" sollten lieber dagegen vorgehen, daß Pferde in Boxenhaltung überversorgt, also letztendlich krank gefüttert werden! Hier liegt der tatsächliche Verstoß gegen die Bestimmungen des Tierschutzgesetzes (§ 2 TierSchG) vor.
Eine Stunde in einer kleinen Pferdebox zu stehen und in seiner Bewegungsfreiheit so stark eingeschränkt zu sein, ist für ein Pferd, das unter einem permananten Bewegungsdrang steht, eine Qual! Hiergegen sollten die vermeintlichen "Tierschützer" zu Felde ziehen und nicht gegen das vergleichsweise harmlose Brennen eines Züchterbrandes. Auch die Unsitte, Pferde überwiegend mit Kraftfutter zu versorgen, führt zu einem quählenden "permanenten Unwohlsein" eines Pferdes, denn dieses führt - trotz ausreichender oder sogar überdosierter Zufuhr von Energie - nicht zu einem wohligen Sättigungsgefühl!
Kontaktdaten:
CAMARGUE-GESTÜT HOF SAUERBERG
Bernhard F. Franke
Kirchspiel 2-3
65391 Lorch im Rheingau
Tel.: +49 (0) 6726 812086
Mobil: +49 (0) 170 317 3999
eMail: bernhard.franke@lecamargue.de
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