Camargue-Pferde-Zucht
(Élevage des chevaux camargue)
ÉTOILE DE MER
Eine der letzten Wildpferderassen
von Bernhard F. Franke
Das Camargue-Pferd zählt zu den wenigen Pferderassen, die noch bis ins 20. Jahrhundert als Wildpferde lebten.
Wie der Name schon sagt, hat dieses Pferd seine Heimat in dem als Camargue bezeichneten Landstrich im Süden Frankreichs im Flußdelta der Rhone. Dieses weite und sumpfige, von Etangs (flachen Seen und Meereszonen) durchzogene Gebiet wurde erst in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts durch ein Programm des Französischen Staates in größeren Teilen trockengelegt und landwirtschaftlich erschlossen, mit dem Ziel, dort Reis und Wein anzubauen. Diese beiden Erwerbsquellen prägen heute neben dem Tourismus und der Salzgewinnung das Bild dieses wunderbaren Landes, in welchem neben einer großartigen Vogelwelt mit Flamingos, Reihern und anderen exotischen Vögeln auch noch die kleinen schwarzen Stiere zuhause sind. Unzählige Touristen haben dieses schöne Fleckchen Erde am Rande der Provence schon kennen gelernt und bewundern stets von neuem die Natur auch im „Parc Naturel Regional de Camargue“ und die dort lebenden schwarzen Stiere und weißen Pferde der Camargue.
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Die kleinen, aber sehr gefährlichen und schnellen schwarzen Stiere, auch im einheimischen Dialekt der Provence „lou biòu“ genannt, sind vermutlich der Grund, weswegen das Camargue-Pferd noch nicht ausgestorben ist.
Die wilden schwarzen Stiere wurden und werden nämlich für den südfranzösischen Stierkampf benötigt und gezüchtet. Dieser Stierkampf ist im Gegensatz zum spanischen Stierkampf immer unblutig, d. h., der Stier wird nicht getötet. Nur mit den unerschrockenen, schnellen und wendigen weißen Pferden der Camargue kann man diese wilden Stiere einfangen und einzelne für die Stierkämpfe aussondern.
Bereits die Römer schätzten die schnellen weißen Pferde aus dem Rhone-Delta und verwendeten sie bei ihren militärischen Einsätzen und bei Wagenrennen in den Arenen. Sowohl bei den Kreuzzügen wie auch in vielen späteren Heeren wurden diese zähen Pferde immer wieder eingesetzt.
Die Camargue galt bis ins ausgehende 19. Jahrhundert als Wildpferdereservat, wobei die Pferde damals auch noch als jagdbares Wild für die Verpflegung der Bevölkerung und der umherziehenden Heere angesehen wurden. Vorgeschichtsforscher beschreiben das reinrassige Camargue-Pferd als lebendes Ebenbild des prähistorischen „Solutré-Pferdes“, welches jedoch noch etwas kleiner war und auch ein zottiges, hellbraunes Fell hatte.
Die Herkunft des Camargue-Pferdes liegt im Dunkeln der Geschichte.
Unzweifelhaft liegt jedoch der genetische Ursprung des Camargue-Pferdes bei den auch in den berühmten Höhlen von Lascaux abgebildeten prähistorischen Pferden, die im südlichen Europa auf Wanderschaft waren. Im Verlaufe dieser 40.000 Jahre hat sich das Camargue-Pferd als Wildpferd in dem weitgehendst unzugänglichen Gebiet des Rhonedeltas entwickelt und durch die Evolution seine heutigen Eigenschaften erhalten. Die Knochenfunde von Solutré belegen die anatomische Übereinstimmung mit den heute lebenden reinrassigen Camargue-Pferden ebenso wie die Zeichnungen aus den Höhlen der Cromagnon-Menschen.
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um aus der Zeit vor vierzigtausend Jahren etwas zu erfahren.
Der historische Hintergrund des Camargue-Pferdes
In der Antike schätzten die Römer die weißen Renner wegen ihrer Schnelligkeit , Wendigkeit und Ausdauer bei den so beliebten Pferderennen der Römer, so daß sich das Camargue-Pferd damals bereits als Exportschlager rund ums Mittelmeer entwickelte.
Der erste bekannte „Groß-Export“ von Camargue-Pferden erfolgte nach übereinstimmenden Berichten von Historikern bereits vor Christi Geburt.
Der Ruhm dieser Pferde war nämlich bis ins ferne China bekannt geworden. Damals hatten die chinesischen Kaiser begonnen, den riesigen asiatischen Kontinent im Westen erforschen zu lassen. Dabei stießen ihre Abgesandten in Zentralasien auch auf einige weiße Pferde, die dort als „exotische“ Wesen gehalten wurden. In Ostasien kannte man solche Tiere nicht und die kaiserlichen Abgesandten berichteten von ihnen und auch von ihrer Verwendung als Reitpferde. Die Chinesen kannten bis dahin nur die langsam schreitenden Kamele aus Vorderasien.
Diese schnellen, weißen „Renner“ waren also etwas völlig Neues in China und die kaiserlichen Generäle kamen auf die Idee, mit diesen schnellen Tieren eine sehr bewegliche Reitertruppe aufzustellen, also eine Kavallerie-Truppe, wie sie bereits die Römer kannten und die auch bis ins späte Mittelalter die Heere Europas und der Mongolei nachhaltig prägten.
Trotz der konservativen Haltung des chinesischen Kaiserhauses führte das Drängen der Generäle schließlich zu einer großen Expedition quer durch Asien bis in die Camargue, welche damals Teil des römischen Reiches war. Das Gebiet wurde damals wie bis ins ausgehende Mittelalter als "Aquitanien" bezeichnet. Dort erwarben die chinesischen Abgesandten über tausend Camargue-Pferde und überführten diese in einer riesigen Karawane über die bekannte Seidenstraße bis nach China. Als die Pferde dort eintrafen, war die Bewunderung der Chinesen grenzenlos. Sie nannten fortan diese Pferde in ihrer blumigen Sprache „fliegende Wesen“ und „himmliche Wesen“.
Noch heute sind diese Bezeichnungen bei den Chinesen bekannt. So lauten die Zeilen eines Epos in der chinesischen Poesie wie folgt:
Die himmlichen Wesen kommen,
sie kommen aus dem fernen Westen –
durch grasloses Land sind sie gelaufen,
um gen Osten zu gelangen –
den fließenden Sand haben sie durchquert,
tausend Li haben sie zurückgelegt – ...
1936 berichtete der bekannte Forscher und Abenteurer Sven Hedin in seinem Buch „Die Seidentraße“ erstmals darüber. Auch wurde 1972 in Paris eine kleine Bronzestatue eines Camargue-Pferdes ausgestellt, die 1969 in der Wüste Gobi ausgegraben wurde. Sie zeigt ein „Camargue-Pferd“ auf einer fliegenden Schwalbe mit einem Huf balancierend. Diese Ausstellung wurde in kurzer Zeit von nahezu 600.000 Besuchern besucht, welche „ihr Camargue-Pferd“ in Bronze aus dem alten China bewundern wollten.
Dieses kleine, aber außerordentlich zähe und genügsame Pferd aus den Sumpfgebieten des Rhonedeltas hat also bereits vor Tausenden von Jahren Geschichte gemacht und sein Ruhm reichte schon damals bis ins ferne China. Nicht auszuschließen ist, daß das Camargue-Pferd im Verlaufe der weiteren Geschichte auch die mongolischen Steppenpferde und andere asiatische Pferderassen genetisch beeinflußt hat, denn man findet unter den Mongolenpferden auffallend viele Schimmel.
Es mag dahingestellt bleiben, ob durch natürliche Einkreuzungen von verwilderten anderen Pferderasssen, wie Araber- oder Berberpferden diese Blutanteile auch heute noch in Spuren bei Camargue-Pferden vorhanden sind. Das Camargue-Pferd hat sich jedenfalls im Verlaufe der Jahrtausende immer wieder auf seine Ursprünglichkeit als Wildpferd in den Sümpfen und Ebenen des Rhone-Deltas genetisch zurück entwickelt, denn dieses Gebiet war zu großen Teilen unzugänglich und für den Menschen nicht erreichbar.
Auch wurde den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts und später versucht, durch gezielte Einkreuzungen ein etwas größeres Pferd zu züchten. Diese Versuche sind jedoch aufgrund der negativen Ergebnisse insbesondere in Bezug auf den Charakter und die Wendigkeit der Pferde wieder eingestellt worden. Insbesondere hat sich dabei gezeigt, daß die Pferde mit Fremdblutanteil nicht den harten Bedingungen in der Camargue gewachsen waren.
Heute wird das Camargue-Pferd von verantwortlichen Züchtern in seiner Ursprünglichkeit als reinrassiges Camargue-Pferd mit seinen besonderen Eigenschaften auch in Deutschland gezüchtet.
Im Ursprungsgebiet wird dieses unerschrockene, charakterfeste, schnelle und wendige Pferd zum Einfangen der Stiere in den Sümpfen heute noch eingesetzt. Die Gardians (Stierhirten der Camargue) reiten die Pferde ausschließlich mit dem nach ihnen benannten Arbeitssattel, der seinen Ursprung und sein Aussehen auf die Sättel im Mittelalter zurückführen kann. Dieser als Gardian-Sattel bezeichnete Sattel ist bequem und gibt dem Reiter durch seine hohen Vorder- und Hinterzwiesel die Sicherheit, die bei der Arbeit am Stier erforderlich ist.
Auch die meisten Freizeitreiter benutzen diesen Arbeitssattel, der als Vorläufer der Westernsättel anzusehen wird, damit sie ihr schnelles und wendiges Pferd stets unter Kontrolle haben und sie die einzigartigen Eigenschaften der Camargue-Pferde auch nutzen können.
Eine besondere „Camargue-Zäumung“ mit Kandare und Martingal sowie bei jungen und in Ausbildung befindlichen Pferden auch mit dem zusätzlichen „Cavecon“ (Kappzaum mit zwei weiteren Zügeln) runden die „Philosophie“ um die Camargue-Pferde und ihre Reitweise ab. Selbstverständlich wird ebenso die Tradition in der Kleidung der Reiter gepflegt.
Reinrassige Camargue-Pferde sind immer Schimmel.
Camargue-Pferde werden braun oder schwarz geboren und erst mit den Jahren weiß. Einige Fohlen zeigen bereits nach dem ersten Fellwechsel, also nach ca. sechs Monaten ein weißes Fell. Andere sind noch im Alter von 2 Jahren braun oder schwarz. Das reinblütige Camargue-Pferd sollte spätestens im vierten Lebensjahr fast weiß sein. Apfelschimmel oder Pferde, die nach dem vierten Lebensjahr noch stark pigmentiert sind, deuten auf einen hohen Anteil an Fremdblut hin.
Im Fohlenalter zeigt das Camarguepferd deutlich die Zeichen seiner Wildpferdeabstammung. Fohlen zeigen ausgeprägt weiße Augenringe, welche auf den späteren Schimmel hinweisen. Auch fällt der sogannte Aalstrich am Rücken der Fohlen auf, da sie noch nicht vollständig weiß sind und dieser noch erkennbar ist. Daneben zeigt sich beim Camargue-Pferd bereits als Fohlen der starke Bartwuchs und das zweischichtige Fell im Winter.
Unwirtliche Witterungsbedingungen mit extremer Kälte sind Camargue-Pferde durch den Mistral, einem eiskalten, oft orkanartigen Fallwind aus den Alpen in ihrer Heimat durchaus gewohnt. Sie verfügen im Winter über ein dichtes, zweilagiges Winterfell und schützen sich durch dichtes Zusammenstehen mit ihren Artgenossen. Es sind sehr genügsame und leichtfuttrige Pferde, die ganzjährig auf Weide gehalten werden können. Sie sollten auch bevorzugt nur in Offenstallhaltung und in Pferdegesellschaft gehalten werden, damit sie ihrem natürlichen Bewegungsdrang nachkommen können.
Das Camargue-Pferd verfügt über einige besondere Eigenschaften, die im Verlaufe der Evolution entstanden sind und welche ebenfalls die eigenständige Rasse des Camargue-Pferdes dokumentieren.
So können Camargue-Pferde „unter Wasser“ grasen, in dem sie die jungen Triebe der Schilfgräser unter der Wasseroberfläche abweiden. Dabei können sie ihre Nüstern so verschließen, daß kein Wasser in die Atemwege eintritt.
Auch verfügen Camargue-Pferde über eine ausgeprägte Resistenz gegen Insekten. Das Camargue-Pferd hat extrem harte Hufe, welche gegen Feuchtigkeit unempfindlich sind, so daß diese Pferde auch auf Feuchtswiesen und sumpfigen Böden problemlos gehalten werden können.
Bei normaler Beanspruchung muss das Camargue-Pferd auch als Reitpferd nicht beschlagen werden!
Der ruhige Charakter und die Gelassenheit der Camargue-Pferde sind ebenfalls auf eine besondere evotionale Entwicklung zurückzufuehren. Als Wildpferde, die einst in den Sümpfen des Rhonedaltas lebten, hat sich das Camargue-Pferd diesen Gegebenheiten auch charakterlich angepasst. Obwohl Pferde generell als Fluchttiere gelten, die dürchaus panikartig das Weite suchen, hat das Camargue-Pferd die Eigenschaft entwickelt, bei Gefahr oder Erschrecken nicht sofort panikartig davon zu galoppieren. Das Camargue-Pferd bleibt nach kurzem Erschrecken wie angewurzelt stehen, um zuerst einmal die mögliche Gefahr zu erkennen oder zu erspüren, denn eine panikartige Flucht in den Sumpfgebieten hätte fatale Folgen. So ist auch zu erklären, warum in der Camargue immer wieder Stiere in den Sumpflöchern umkommen, ganz selten jedoch die sehr vorsichtigen und intelligenten Camargue-Pferde.
Im Ursprungsgebiet lebten diese Pferde als Wildpferde unter teilweise extrem kargen Bedingungen entsprechend den jeweiligen Jahreszeiten. So waren diese Wildpferde oft einer extremen Hitze und Trockenheit ausgesetzt und verfügten insbesondere in den Wintermonaten nur über ein geringes Futterangebot. Die ganzjährige Weidehaltung ist daher auch bei unserem Klima in Deutschland völlig problemlos.
Als Reitpferd wird das Camargue-Pferd insbesondere auch von Freizeireitern hoch geschätzt.
Die Trittsicherheit und der ruhige, verläßliche Charakter des Camargue-Pferdes sind sprichwörtlich, so daß es als ideales Freizeitpferd angesehen werden kann, auf das sich der Reiter in allen Situationen und als „Kumpel durch Dick und Dünn“ verlassen kann. Camargue-Pferde werden häufig auch in Show-Programmen in gemischten Gruppen von Stuten und Hengsten eingesetzt, da sie unter dem Sattel auch dann noch jederzeit unter der Kontrolle der Reiter sind. Die über Jahrhunderte währende Praxis, diese Pferde als Stierpferde auszubilden und für die harte Arbeit der Stierhirten einzusetzen, hat ebenfalls dazu beigetragen, daß das Camargue-Pferd heute über diesen unvergleichlich verlässlichen Charakter verfügt. Der soganannte "Cow sense" ist daher und auch infolge der Haltung zusammen mit den halbwild gehaltenen schwarzen Rindern der Camargue besonders stark ausgeprägt und in die Genetik dieser Pferde eingeflossen.
Heute gibt es nur noch ca. 6.000 dieser wundervollen Pferde. Davon in Frankreich ca. 5.000, der Rest verteilt sich insbesondere auf Deutschland, die Benelux-Staaten, Österreich und die Schweiz.
Die Nachzucht des Camargue-Pferdes in Deutschland erfolgt nach den Vorgaben des Ursprungsgebietes.
Die Zucht in Deutschland orientiert sich an dem in der Camargue, dem Ursprungsgebiet, aufgestellten Zuchtrichtlinien des " Stutbook de cheval camargue" der "A.E.C.R.C." - Associationde des Eleveurs Chevaux de Race Camargue - . Diese sind von den staatlichen Zuchtverbänden in Deutschland übernommen worden. Die FN (Deutsche Reiterliche Vereinigung) hat diese in der ZVO (Zuchtverbandsordnung) für die in der FN organisierten Zuchtvereinigungen unter Berücksichtigung des EU-Rechts festgelegt.
Die in Deutschland gezüchteten reinrassigen Camargue-Pferde werden fast ausschließlich beim Rheinisch-Westfälischen Pferdestammbuch registriert und erhalten dort die europaweit anerkannten staatlichen Papiere.
Die Züchter in Deutschland pflegen ebenso die Traditionen, wie sie die im Ursprungsgebiet heute noch gegenwärtig sind. Hierzu zählt die Tradition, die Camargue-Pferde mit einem Züchterbrand zu kennzeichnen. Auch die Namensgebung der Camargue-Pferde, die mit dem gleichen Buchstaben eines Jahrganges beginnen, zählt zu den in Deutschland ebenso gepfegten Traditionen. Auch die Verpflichtung, daß Camargue-Pferde nur im "Natursprung" bedeckt werden dürfen, damit diese natürliche Fähigkeit nicht verloren geht, wird von den beim Rheinisch-/Westfälischen Pferdestammbuch registrierten Züchtern erfüllt.
Die in Deutschland auf der Basis des Ursprungsgebietes und beim Rheinisch-/Westfälischen Pferdestammbuch registrierten Pferde der Rasse "Camargue" sind daher immer reinblütige Camargue-Pferde, die in Frankreich als "Cheval Camargue (HB)" bezeichnet werden. Der Zusatz "HB" (hors berceau) bedeutet, daß diese reinblütigen Camargue-Pferde "außerhalb des Herzens" - also außerhalb der Kernregion "Camargue"- gezüchtet wurden. In Frankreich unterscheidet man auch noch die Pferde der Züchter, welche in einer Manade (M) und solche, die außerhalb einer Manade (HM) geboren wurden.
Die Reinrassigkeit des Camargue-Pferde zu erhalten, ist das Ziel auch der in Deutschland ansässigen Züchter.
In Italien wird jedoch auf der Grundlage der Camargue-Pferde
aus dem Ursprungsgebiet eine Population registriert, welche sich als „Cavallo del Delta“ oder
"Cavallo sul Delta del Po" bezeichnet, da sie in der Po-Ebene gezüchtet
wird. Der dortige Rassestandard und die Aufzuchtbedingungen weichen
jedoch von denen im Ursprungsgebiet und Deutschland ab. Insbesondere
aufgrund der Aufzuchtbedingungen ist bei diesen Pferde bereits nach
einigen Generationen eine Veränderung des Pferdebildes eingetreten, so
daß diese Pferde nicht mehr in vollem Umfange dem Rassestandard
"Camargue-Pferd" entsprechen. Darüber hinaus wurden Einkreuzungen
anderer Rassen vorgenommen, so daß das "Cavallo del Delta" nicht als
reinblütiges Camargue-Pferd anerkannt werden kann. Die italienischen
Züchter bezeichnen ihr Pferd demgemäß auch nicht als "Camargue-Pferd"
sondern als "Cavallo del Delta" . Auch die dort ausgestellten Abstammungsnachweise, sofern diese Pferde für die Rasse "Camargue-Pferd" ausgestellt werden, entsprechen nicht den Anforderungen eines zweifelsfreien Abstammungsnachweises.
Ebenfalls ist bedauerlicher Weise
festzustellen, daß eine weitere Population auf der Basis dieser in
Italien gezüchteten Pferde in Deutschland fortgeführt wird. Diese
erhalten zwar Papiere eines staatlich anerkannten Pferdezuchtverbandes mit der Rassebezeichnung "Camargue",
entsprechen jedoch nicht dem Rassestandard eines reinblütigen Camargue-Pferdes.
Insbesondere ist die für die Zuchtbasis des "Cavallo del Delta" ein
zweifelsfreier Abstammungsnachweis nicht zu führen. Solange diese
Pferde nur für den Reitbetrieb des Hofes Wesendahl in Brandenburg
Verwendung finden, kann diese Zuchtstätte aus züchterischer Sicht jedoch
toleriert werden.
Ein Einbringen
dieser Pferde in die anerkannt reinblütige Zucht der deutschen Züchter
ist jedoch explizit abzulehnen. Ebenso ist die Bezeichnung
"Camargue-Pferd" für die Pferde der Zuchtbasis "Cavallo del Delta" unzulässig. Daß diese Pferde dennoch
in der Vergangenheit unter der Rassebezeichnung "Camargue" Papiere vom betreuenden
Pferdezuchtverband erhalten haben, ist bedauerlich und auch im Hinblick auf die Zuchtbuchverordnung der FN (Reiterlichen Vereinigung) nicht nachvollziehbar.
Die Zukunft der Rasse "Camargue" muß immer im Blickpunkt des Ursprungsgebietes liegen.
Zum Abschluß dieser allgemeinenen Schilderungen über Herkunft und heutige Existenz des Camargue-Pferdes kann mit Überzeugung festgestellt werden, daß das Camargue-Pferd zu einer der wenigen Wildpferderassen zählt, die heute noch in ihrer Ursprünglichkeit als Wildpferd weitgehenst von züchterischen Einflüssen unbelastet geblieben ist. Obwohl das Camargue-Pferd auch von anderen Blutliien in den letzten Jahrtausenden nicht gänzlich unbeeinflusst blieb, konnte es sich in den unwegsamen Gebieten des Rhone-Deltas stets wieder in seiner Ursprünglichkeit zurück entwickeln, quasi eine Evolution zurück zu den Wurzeln. Die weitere Existenz des Camargue-Pferdes mit seinen rassespezifischen Eigenschaften kann nur erhalten bleiben, wenn verantwortungsvolle Züchter die Traditionen der Gardians pflegen und die Ursprünglichkeit der Rasse verteidigen.
Diese Einzigartigkeit und Ursprünglichkeit des Camargue-Pferdes weiterhin zu bewahren, ist daher auch mein persönliches Ziel und mein Anspruch an die Zucht heute.
Kontaktdaten:
CAMARGUE-GESTÜT HOF SAUERBERG
Bernhard F. Franke
Kirchspiel 2-3
65391 Lorch im Rheingau
Tel.: +49 (0) 6726 812086
Fax: +49 (0) 6726 812087
Mobil: +49 (0) 170 317 3999
eMail: bernhard.franke@lecamargue.de
(Honrarfreier Abdruck nach Absprache und gegen Belegexemplar gestattet.)
Texte zu den Bildern:
(1)
Details der Ausrüstung und des Sattels lassen erahnen, wie liebevoll
die Tradition um dieses Pferd auch heute noch gepflegt wird. Das Sedan,
ein aus Roßhaaren gefertigtes kunstvolles Seil, ist haltbar und
unempfindlich gegen Salzwasser. Es wird heute noch verwendet und bei
festlichen Anlässen präsentiert.
(2) Der „Trident“ (Dreizack),
mit welchem beim Stiere treiben und Aussondern der Reiter die Stiere
manchmal touchiert werden, um sie einfangen zu können.
(3) Der
typische Steigbügel der Gardians bietet optimale Sicherheit und ist
heute auch bei vielen Freizeitreitern anderer Rassen anzutreffen.
(4)
Die typische Camargue-Tracht mit den bekannten Camargue-Hemden, deren
Stoffmuster einen unverwechselbaren Stil haben und auf die Herkunft der
Zigeuner schließen läßt.
Bildmaterial:
Doris Melzer, 64686 Lautertal,
Tel. 06254/7610, Fax 06254-3313,
E-Mail: info@horsephotos.de
Der Autor ist Züchter seit 1990 und Mitglied des Rheinischen Pfertdestammbuch e. V.
Mit
seinem Hengst „Viking du Phare“, von dem bekannten Züchter und
Hengsthalter „Maurice Belagamba“ aus der Camargue, kann der Autor auf
besondere Zuchterfolge zurückblicken. Für die Nachzucht von „Viking du
Phare“ hat das Rheinische Pferdestammbuch die ersten beiden
Goldmedaillen für die Rasse „Camargue“ vergeben. Darüber hinaus wurden
unzählige Stuten als Elitestuten bzw. Staatprämienstuten sowie Hengste
als Siegerhengste prämiert.
Die Zuchtphilosophie des Autors
dokumentiert sich in dem Bemühen, das Camargue-Pferd in seiner
Ursprünglichkeit und den rassetypischen Eigenschaften zu erhalten. Die
Pferde werden im Rheingau-Taunus-Kreis auf weitläufigen Brachflächen
auch zur Landschaftspflege eingesetzt.
Kontaktdaten:
CMARGUE-GESTÜT HOF SAUERBERG
Bernhard F. Franke
Kirchspiel 2-3
65391 Lorch im Rheingau
Tel.: +49 (0) 6726 812086
Mobil: +49 (0) 170 317 3999
eMail: bernhard.franke@lecamargue.de